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Geschrieben von Jürgen
Hensle im September 2010
Überwinterer
und starke Einwanderung
Der
Winter 2008/2009 war ausgesprochen kalt. Gemäß der früheren Einstufung
des Postillons als wärmebedürftigen Südländer, der keinen
nennenswerten Frost verträgt, hätten ihn somit am Kaiserstuhl keine
Raupen überleben dürfen.Aber wieder einmal zeigte sich, dass diese
Einschätzung schlicht falsch war. Denn am 19. April 2009 patrouillierte
an der Postillon-Böschung ein frisch geschlüpftes Männchen entlang!
Dass noch weitere Falter, darunter auch Weibchen geschlüpft sein müssen,
belegten frische Falter der 2. Generation ab Mitte Juni. Die erste
Generation hält sich stets nur sehr kurz am Schlupfort auf, wandert dann
alsbald nach Norden ab. Daher sind im Frühjahr frische Falter stets nur
sehr kurz anzutreffen.
Im
Mai schlüpften weitere Falter, ab Ende Mai erfolgte zudem eine starke
Einwanderung aus Südeuropa. 2008 zogen die Tiere fast alle über die
Ostalpen, im Mai 2009 aber westlich an den Alpen vorbei und damit genau
auf die Oberrheinebene und den Kaiserstuhl drauf zu. Deren Nachkommen
ergaben den Falter im Juli. Nun wurden die Tiere ständig häufiger.
Einheimische vermischten sich mit den Nachkommen der Zuwanderer und bald
war der Postillon überall verbreitet und häufig anzutreffen. Das überwiegend
sonnige und warme Wetter des Jahres 2009 tat ein übriges: Generell war
dieses Jahr ein ausgesprochen günstiges für fast alle
Schmetterlingsarten und auch die Einwanderer waren bestens vertreten.
Erinnert sei nur an die riesigen Wanderschwärme des Distelfalters, die im
Mai und Juni 2009 durch die Rheinebene nach Norden zogen. Der Postillon
erreichte dabei in nicht geringer Anzahl sogar Südschweden, was für
diese Art ganz ungewöhnlich ist. Gut möglich, dass auch einige am
Kaiserstuhl aufgewachsene Falter mit unter den Einwanderern nach
Skandinavien waren. Denn der nach Norden vorgeschobene Startplatz dürfte
ihnen einen Vorteil gegenüber den Südeuropäern gegeben haben, sodass
sie weiter nach Norden fliegen konnten. Grundsätzlich ändert sich am
Wanderverhalten des Postillons derzeit so einiges. Vor der
Jahrtausendwende wanderten allenfalls alle fünf bis sieben Jahre
Postillone im Frühjahr an den Kaiserstuhl ein. Mittlerweile treffen wir
die Einwanderer schon jedes zweite Jahr an.
In
diesem Herbst flog der Postillon an "seiner" Böschung bei
Eichstetten bis in den Dezember hinein. Die Weibchen legten auch sehr
reichlich Eier. Es folgte dann wieder ein sogar noch etwas kälterer
Winter, als der vorangehende: Bis zu -17° wurden Ende Dezember bei
Eichstetten gemessen! Dass auch solche Temperaturen den Eiern und Raupen
des Postillons grundsätzlich nichts anhaben können, beweisen Funde von
über 50 Eiern im Februar 2010. Ein versuchsweise mitgenommenes ergab im
Mai 2010 auch den Falter. Es folgte dann jedoch leider ein ausgesprochen
nasskaltes Frühjahr, was die Bestände des Postillons extrem dezimierte.
Aber hierüber mehr im nächsten Jahresbericht.
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