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Geschrieben von Jürgen
Hensle im Januar 2009
Ein
ungünstiges Jahr
Der
Winter 2007/2008 war recht mild. Nicht so mild wie der Winter zuvor, aber
grundsätzlich für den Postillon recht günstig. Die extrem nasskalte
erste Frühlingshälfte war hingegen für diese wärmeliebende Art eine
Katastrophe. Die nasse Witterung des vorherigen Herbstes machte sich zudem
bemerkbar. Die Postillon-Weibchen hatten damals nur recht wenige Eier
abgelegt und entsprechend dürftig vertreten war die Art im Jahr 2008 zunächst.
Über die Ostalpen erfolgte dann im Frühjahr ein sehr starker Einflug,
der, für den Postillon ganz ungewöhnlich, vereinzelt bis nach Dänemark
reichte. In Bayern und stellenweise in Ostdeutschland war der Postillon
bald ausgesprochen häufig. Südlich von Oberrheinebene und Kaiserstuhl
liegen jedoch die höchsten Berge der Westalpen und ganz Europas. Diese
Viertausender werden von wandernden Schmetterlingen kaum je überflogen.
Schon gar nicht im Frühjahr, denn dann ist es dort oben noch grimmig
kalt. Westlich an den Alpen vorbei zogen aber offensichtlich nur sehr
wenige Einzelfalter nach Norden, sodass der Postillon in der Westhälfte
Deutschlands 2008 generell nur sehr selten auftrat.
An
der Postillon-Böschung hatte er sich jedoch bald wieder vom nassen Herbst
2008 erholt. Die wenigen Überlebenden bildeten eine Generation nach der nächsten
aus, wobei die Population evtl. auch noch durch einzelne Zuzügler verstärkt
wurde. Obwohl auch der Sommer 2008 recht feucht und somit für den
Postillon eher ungünstig war, trat er bis im September und Oktober wieder
in durchschnittlicher Häufigkeit auf. Jedoch war auch der Herbst 2008
nicht eben günstig für diese sonnenhungrige Art. Speziell der November
war zu nass und zu kalt, bot nur an wenigen Tagen günstige Bedingungen für
die Eiablage. Raupen die aus den am spätesten abgelegten Eiern schlüpfen,
haben jedoch die besten Chancen, den Winter zu überleben, da ihre Fraßfeinde,
räuberische Spinnen und Insekten, den Winter über weit weniger aktiv
sind, als im Herbst. Wenn die Weibchen im Spätherbst jedoch allzu lange
auf einen sonnigen Tag warten müssen, gehen viele ein, ohne zuvor Eier
abgelegt zu haben oder werden von Vögeln entdeckt und gefressen. Diesen
Winter waren somit noch weniger Raupen zu finden, als im Winter zuvor.
Im
Gegensatz zum Postillon, waren die letzten beiden Sommer für die Weiden
jedoch ausgesprochen günstig. Im Frühjahr 2008 mussten wir erstmalig
beobachten, dass zuvor abgedeckten Weiden wieder ausschlugen! Der viele
Regen brachte ihnen offensichtlich so günstige Bedingungen, daß einzelne
das Abdecken über eine volle Vegetationsperiode überlebten. Sie bildeten
bei weitem nicht so viele Zweige aus, wurden auch lange nicht so grün,
wie nicht abgedeckte, aber es war nicht zu übersehen: Einige von ihnen
hatten das Abdecken überlebt. Da die Wetterlage des Sommers 2008 für die
Weiden ganz ähnlich günstig war, haben wir die Planen im Herbst
erstmalig nicht entfernt. Sie werden auch 2009 noch über denselben Stöcken
bleiben. Wenn die Weiden zwei Jahre hintereinander keine Photosynthese
betreiben können, wird ihnen auch noch so viel Wasser sicher nichts
nutzen. Daß sie auch das überleben, ist also kaum zu erwarten
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