Postillonböschung 2008


Geschrieben von J
ürgen Hensle im April 2008
 


Postillone überall!

Wie erwartet zeigte sich im Frühjahr 2007 ausnahmsweise auch außerhalb des Kaiserstuhls überwinterte Postillone. Zunächst rund um Freiburg, bald aber auch an anderen Stellen im Rheintal und schließlich auch im Saarland, sogar im Stadtgebiet Münchens und weiter nördlich im Isartal. Diese Ausnahmefälle begründeten sich ganz sicher durch den fast mediterran anmutenden, extrem milden Winter. Auch das warme Frühjahr war für den Postillon ideal und bald war er ausgesprochen häufig anzutreffen. Nicht nur am Kaiserstuhl, sondern verbreitet in Süddeutschland und dies, obwohl eine Einwanderung aus dem Mittelmeerraum sehr wahrscheinlich nicht statt fand, es für eine solche zumindest keine Anzeichen gab. Daher ist anzunehmen, dass es ihm noch an vielen anderen Orten in Süddeutschland geglückt ist, den Winter zu überleben, denn normalerweise ist die 1. Generation im Frühjahr nur recht vereinzelt anzutreffen.

War das Frühjahr für ihn noch ausgesprochen günstig, so kann man das vom nassen Sommer ganz und gar nicht sagen. Ständige Regenfälle sind Gift für eine sonnenhungrige, südländische Art und bewirken bei Wanderfaltern einen starken Drang zur Abwanderung nach Süden. Damit war der Postillon im Herbst keineswegs mehr so häufig, wie im Vorjahr; insbesondere mangelte es an Weibchen. Das Ergebnis waren recht dürftige Eiablagen, die vom kühlen Oktober auch nicht begünstigt und vom frühen Wintereinbruch Mitte November dann zudem abrupt abgebrochen wurden. An einer zweiten Stelle bei Eichstetten, südöstlich der Postillon-Böschung, wo in der Vergangenheit auch immer einmal wieder einzelne Raupen die Überwinterung geschafft haben, wurde dann im Februar auch noch geflämmt. Also alles in allem keine günstigen Voraussetzungen für das Jahr 2008, aber warten wir es ab!

Günstig war der nasse Sommer hingegen für die verbliebenen Hybridweiden. Fast alle größeren waren zwar mittlerweile zum Absterben gebracht worden, aber eine Anzahl kleinerer hatten wir bislang wenig Beachtung geschenkt. Diese standen auf einem recht trockenen Abschnitt der Böschung. Zu trocken für die durstigen Weiden, sodass diese dort kaum höher als das Gras wuchsen und mit diesem einfach abgemäht werden konnten. Aber im nassen Sommer 2007 schossen diese Weiden in die Höhe, wurden rasch zu 3 m hohen Büschen und beschatteten den wertvollen Halbtrockenrasen. Diese Pflanzen mussten wir im Februar 2008 dann eben auch wieder abdecken, zusammen mit einigen Feldahornbüschen, die im einst bewaldeten Abschnitt auch alljährlich viel zu hoch wucherten.

Aber es gibt auch positives zu berichten: Die 2003 ausgesäten Pflanzen waren doch nicht alle eingegangen. An einer Stelle blühten im Sommer 2007 plötzlich mehrere Kugellauch-Pflanzen, die dort drei Jahre lang unbemerkt langsam höher gewachsen waren. Und an einer anderen Stelle, an der uns ein Schmutzfink immer wieder Gartenabfälle in die Böschung gekippt hatte, haben wir drei Blasensträucher ausgepflanzt. Diese hatten sich im feuchten März 2008 rasch bewurzelt und dienen nun als natürliche Barriere. Bleibt nun nur zu hoffen, dass sich auch der Postillon wieder erholt.



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