Postillonböschung 2007

  
Ein neuer Anfang  

Geschrieben von Jürgen Hensle im März 2007

Wie zu erwarten war, zeigte sich im Frühjahr 2006 kein Postillon an seiner Böschung mehr. Nach dem kalten und vor allem schneereichen Winter war die Art nun sicher ausgestorben. Eine umso größere Freude war es, als wir am 14. und 15. Juni je ein Weibchen in der Nähe der Postillonböschung beobachten konnten. Von Mai bis Juli flogen eine Anzahl Falter aus Südfrankreich ein und besiedelten den ganzen Südwesten Deutschlands. Die nordöstlichsten Falter erreichten noch Thüringen, aber am Kaiserstuhl trafen sie auf viel bessere Bedingungen. Bis Jahresende zählten wir alleine auf Gemarkung der Gemeinde Eichstetten 169 Falter, die meisten hiervon an der Postillonböschung. Wir hatten ihn also wieder!

Ganz nebenbei bemerkten wir auch noch, dass eines der eingewanderten Weibchen Eier an Robinia hispida, einer rosa blühenden Robinien-Art ablegte. Diese Plagepflanze, ein Neophyt aus Nordamerika, ist eine gefährliche Bedrohung der heimischen Vegetation, da sie, wenn sie erst  einmal Fuß gefasst hat, schnell ganze Böschungen komplett zuwuchert. Der Postillon hilft also auch noch ein klein wenig mit, diese Pflanze in Zaum zu halten.

Der warme Herbst 2006 war für den wärmeliebenden Postillon natürlich besonders günstig. Bis in den Dezember hinein flogen die Falter an „ihrer“ Böschung entlang. Und fast nur dort traf man sie so spät noch an. Denn die Tiere sind nicht dumm und erkennen sehr wohl, wo ihre Nachkommen ideale Bedingungen vorfinden. Am Silvestertag des Jahres 2006 trafen wir dann auch noch einmal frisch abgelegte Postillon-Eier an der Postillonböschung an. Eiablagen im Dezember sind bei dieser Art am Kaiserstuhl zwar nicht allzu ungewöhnlich, aber dass sie auch den letzten Tag des Jahres noch nutzten, hatte uns dann doch etwas überrascht.

Nur im Naturschutzgebiet Badberg im Zentralkaiserstuhl legten sie im Dezember auch noch Eier ab.

Dort konnte sich die Art den Winter über ebenfalls halten. Denn im Februar und März 2007 sahen wir erste, wegen des extrem milden Winters ungewöhnlich früh geschlüpfte Falter, nicht nur an der Postillonböschung, sondern auch am Badberg. Der milde Winter 2006/2007 war für den Postillon aber auch geradezu ideal. Daher ist zu erwarten, dass die Art auch weiter nördlich noch gebietsweise überleben konnte. Bislang (Ende März 2007) blieben Fundmeldungen von außerhalb des Kaiserstuhls jedoch aus.

Im Spätwinter 2007 haben wir dann auch die restlichen Hybridweiden, wie auch einige Feldahornbüsche mit Plastikfolien abgedeckt und die noch bestehende gebüschbestandene Zone weiter gelichtet. Nun ist die Postillonböschung weitgehend gehölzfrei. Nur eine Feldulme, zwei Kirschbäume und eine riesige Strauchwicke, mit drei Meter Höhe, die größte am ganzen Kaiserstuhl, wollen wir gerne stehen lassen. Ansonsten sind wir unserem Ziel, dem Postillon auf der gesamten Böschung ideale Lebensbedingungen zu schaffen, aber erneut ein Stück nähergekommen.

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