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BZ-PORTRÄT: Engelbert Mayer aus Eichstetten setzt sich seit 20
Jahren für den Naturschutz ein
Badische Zeitung vom 23.09.2006 von Silvia
Faller
EICHSTETTEN.
Über Antworten auf solche Fragen hat Engelbert Mayer nie nachgedacht. Der
55-jährige frühere Postbeamte kneift für einen Moment die Augen zu,
fährt sich mit der rechten Hand über das bärtige Kinn und lächelt.
Warum er sich seit fast 20 Jahren für den Naturschutz einsetze? "Ich
tue es für den Ort meiner Herkunft", sagt er schließlich.
Vor
15 Jahren hat Engelbert Mayer den Naturschutzbund (Nabu) Kaiserstuhl ins
Leben gerufen und ist bis heute dessen Vorsitzender. Seine Stimme wird in
Bauplanungs- oder Flurneuordnungsverfahren gehört, er hält Vorträge,
führt Exkursions- und Reisegruppen, bietet Schulen Unterrichtsprojekte an
und - was das Wichtigste ist - arbeitet mit seinen Mitstreitern
unermüdlich daran, natürliche Lebensräume zu erhalten. Mayer kennt die
Pflanzen- und Tiergesellschaften vom Kaiserstuhl. Er weiß, wo Wiedehopfe,
Steinkäuze, Bienenfresser oder Wendehälse brüten oder Fledermäuse ihre
Jungen aufziehen und was zu tun ist, damit die Tiere sich weiterhin
vermehren. Als "außergewöhnlich engagiert und konsequent" hat
Gerhard Kiechle, der frühere Bürgermeister Eichstettens, Engelbert Mayer
erlebt. Er beziehe klar Stellung und bleibe seinen Werten treu, wirke
jedoch ausgleichend und sei in der Lage, die Interessen anderer zu sehen.
"Durch seine Vorschläge haben wir oft gute Lösungen gefunden",
sagt Kiechle.
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Flurneuordnung als
Schlüsselerlebnis
Geboren
und aufgewachsen ist Engelbert Mayer in Vogtsburg-Oberrotweil. In
Eichstetten wohnt er seit 1975. Mayer ist verheiratet und Vater zweier
erwachsener Kinder. Die großflächigen Flurneuordnungen am Kaiserstuhl
waren ein Schlüsselerlebnis für ihn. "Es hat mir regelrecht weh
getan, was mit der Landschaft passiert war", erzählt er. Die hatte
er als Kind mit seinem Großvater durchwandert und dabei gelernt,
Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge zu bestimmen.
Diese
Eindrücke haben ihn geprägt. Als der südliche Teil der Eichstetter
Gemarkung umgestaltet werden sollte, hatte Mayer sich erstmals öffentlich
geäußert. Das Verfahren wurde nicht mehr eingeleitet, heute sind die
Fläche Teil eines wertvollen Vogelschutzgebietes. Darin liegt eine
Streuobstwiese, die der Nabu 1989 erwarb und seither pflegt, was die
Rodung verhindert hat. Dorthin zieht sich Engelbert Mayer gern zurück. Es
macht ihn glücklich, die Tiere zu beobachten und ihre Geräusche zu
hören.
Erstmals
Hand angelegt, um wilde Tiere zu schützen, hat Engelbert Mayer im Jahr
1987. Mit anderen Engagierten wollte er Kröten auf dem Weg zu den
Laichplätzen in der Dreisamniederung vor dem Tod durch Überfahren
retten. Dabei erkannte er, dass "man als Privatperson mit gutem
Wille, aber ohne Fachkenntnis" im Naturschutz nicht weit kommt. Er
initiierte die Arbeitsgruppe Kaiserstuhl im Deutschen Bund für
Vogelschutz, aus der der Nabu Kaiserstuhl hervorging, der heute 500
Mitglieder zählt.
Am
Beispiel des Wiedehopfs, einer in Südbaden lange Zeit fast verschwundenen
Art und Mayers Lieblingsvogel, lässt sich eine von vielen
Erfolgsgeschichten erzählen. Anfang der 90er-Jahre brüteten nur noch
zwei Paare am Kaiserstuhl, im Vorjahr waren es schon wieder 60. "Die
Freude in den Augen derer, die ich durch die Natur führe, besonders die
Begeisterung der Kinder, entschädigen für alles", erklärt Mayer,
weshalb er nie nachgelassen hat, auch dann nicht, wenn er angegriffen
wurde. Wenn auch selten, passiert das noch immer in Form anonymer Briefe,
Zerstörungen in seinem Obstgarten oder offener Attacken. "Das sind
Ewiggestrige", sagt er. "Ernsthaft stellt niemand mehr den
Artenschutz in Frage". Landwirte, Winzer und touristische Anbieter
seien seit einigen Jahren sogar bemüht, den Kaiserstuhl als ökologisch
wertvolle Kulturlandschaft zu bewerben. Als "wichtige Partner"
aber bezeichnet Mayer die Kommunen. Es komme nicht von ungefähr, dass
dort, wo Gemeinderäte und Bürgermeister am Kaiserstuhl den Nabu
unterstützen, Artenschutzprojekte, Lehrpfade und Bildungsangebote
Aufmerksamkeit wecken. Silvia Faller
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