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Vorsitzender Engelbert Mayer, der die Wanderung leitete, konnte in den Reihe der Gäste außerdem drei Redakteure des SWR-Fernsehen begrüßen. Auf deren Initiative hat der NABU Kaiserstuhl diese Apfelblüten-Wanderung im Rahmen der SWR-Sendereihe „Planet Wissen“ in sein Programm aufgenommen.
Am Brutplatz des Steinkauzes vorbei, ging es dann an
Obstwiesen mit alten Hochstammbäumen entlang. Wir bekamen den kleinen
Kauz nicht zu Gesicht, er dagegen hat uns bestimmt nachgeschaut. Auf der Streuobstwiese erwartete die Teilnehmer das nächste „Apfelprodukt“, Apfelsaft aus ungespritztem Streuobstbau. Ein Projekt des NABU Kaiserstuhl, bei dem aus den Äpfeln von über 400 ungespritztem Hochstammbäumen hochwertiger Saft gewonnen wird. Die SWR-Redakteurin Hildegard Knoop stellte dann die Apfelblüten-Aktion vor und zeigte den sehr interessierten Teilnehmern an einem mitgebrachten Laptop den Verlauf der diesjährigen Apfelblüte: Schon zum zweiten Mal nach 2006 haben wir unsere Zuschauer dazu aufgerufen, die Apfelblüte vor der Haustür zu beobachten und uns die Daten der Blüte zu melden - vor allem, was Klarapfel und Boskoop-Äpfel anbelangt - und zwar aus folgendem Grund: Die Apfelblüte ist für Klimaforscher, genauer für Phänologen, das sichere Zeichen, dass der Frühling gekommen ist. Die Daten der Apfelblüten-Sichtungen der Zuschauer werden wie im Vorjahr gespeichert und dann in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst, der TU München, dem Meteorologischen Institut der Universität Bonn und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) wissenschaftlich ausgewertet. Damit erhalten die Wissenschaftler umfangreiches Datenmaterial. Die Beobachtung von Naturerscheinungen wie der Apfelblüte macht deutlich, dass sich der Eintritt der Jahreszeiten nicht wie im Kalender auf einen bestimmten Tag festlegen lässt, weil er von vielen Faktoren abhängt, zum Beispiel von Temperatur und Niederschlagsmenge. Aber nicht nur der eigene Rhythmus der Natur wird an der Apfelblüte deutlich: Mit Hilfe genauer Beobachtungsdaten lassen sich auch Aussagen über die Veränderungen in unserer Welt machen, vor allem über die Veränderung des Klimas. Vielerorts blühen die Apfelbäume heute früher als noch vor wenigen Jahrzehnten - eine Folge der Klimaerwärmung. Die Wissenschaftler, die am Apfelblüten-Projekt von Planet Wissen beteiligt sind, werden uns mit Hilfe von Vergleichsdaten aus vergangenen Jahrzehnten, so genannten "Langen Reihen", sagen, ob sich die von unseren Zuschauern beobachtete Eintrittszeit der Apfelblüte in Deutschland von vorangegangenen Jahren unterscheidet und wie diese Veränderungen in der Natur zu bewerten sind. Wir selbst haben immerhin schon den Vergleich mit dem Jahr 2006. Während im letzten Jahr die Blüte am 20. April begann, wurde in diesem Jahr die erste Blüte auf den 07. April festgelegt und zwar im Naturraum Oberes Lahntal, da von dort die ersten zuverlässigen Blütenmeldungen des Klarapfels eingingen. Es folgten in rascher Folge der Naturraum "Niederrheinische Bucht" und dann auch alle anderen Gebiete am Mittleren und Oberrhein. Dass das Oberrheingebiet, zu dem ja auch der Kaiserstuhl zählt, in diesem Jahr einen Tick später "dran war", während von dort in den anderen Jahren meistens die erste Blüte gemeldet wird, kann an dem kurzfristigen Wintereinbruch Mitte/Ende März liegen, der im Süden und Südwesten ausgeprägter war als weiter nördlich. Im Durchschnitt kommt der Vollfrühling also in diesem Jahr um zwei Wochen früher als im letzten Jahr, in vielen höher gelegenen Gebieten ist die Differenz aber viel höher, nämlich drei bis vier Wochen. Das dürfte daran liegen, dass der Winter in den höheren Lagen noch viel milder war gegenüber dem Vorjahr als in tieferen Lagen. Fazit: Der Vollfrühling begann und beginnt in diesem Jahr deutlich früher als im letzten Jahr, es gab aber auch schon Jahre, in denen der Beginn des Vollfrühlings noch früher einsetzte, der Rekord liegt bei einem 26. März im Jahr 1990. So breitet sich auch in diesem Jahr die Blüte von Süden und Westen nach Osten und Norden aus, und zwar mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 76 km/Tag. Das ist ungefähr doppelt so schnell wie im letzten Jahr. Und das ist der aktuelle Stand der Blüte heute, am 04. Mai 2007: Die Hälfte der Blütenkarte ist jetzt braun gefärbt, die Farbe des Blüten-Endes. Unsere Zuschauer können uns nämlich drei Blühstadien melden: 1.
Erste Blüte: viele tiefrosafarbene Knospen und einige weiße Blüten am
Baum; 2.
Vollblüte: mehr als 50 % weiße Blüten; 3: Blüten-Ende: meist verblühte Blüten, nur noch einige weiße Überbleibsel. Doch ein blühendes Band zieht sich von der Eifel bis zum Erzgebirge. Nur unterbrochen vom Mittelrheintal stehen hier die Apfelbäume in voller Blüte. Es ist gut zu erkennen, dass sich das Endblütengebiet sowohl vom Westen, als auch vom Süden her ausbreitet. Im Nordosten Deutschlands können Blütenfreunde noch ein paar Tage auf ihre Kosten kommen: Zwischen Kiel, Rostock und Magdeburg blühen die meisten Bäume. Einige Bäume warten sogar noch auf die Vollblüte: Die Apfelbäume im Harz, dem nördlichen Elbegebiet und an der Ostseeküste sind gerade erst aufgeblüht. Auf www.planet-wissen.de kann man sich über den Stand der Blüte und damit das Fortschreiten des Frühlings, über die gesamte Aktion, über die Ergebnisse des Jahres 2006 informieren und das Blüh-Tagebuch des Jahres 2007 jeden Tag aktuell nachlesen, samt Blühkarten, wie wir sie gerade beschreiben haben. Nach diesen sehr lehrreichen Informationen von Hildegard Knoop gab es noch einen Rundgang über die 1 ha große Streuobstwiese des NABU Kaiserstuhl. Plötzlich flog aus einem Baum der Steinkauz davon. Er hatte uns tatsächlich schon die ganze Zeit beobachtet. Auch der Wiedehopf zeigte sich nochmals auf seiner Sitzwarte, einem dürren Ast. Am Stockbrunnen wieder angekommen kehrten die meisten Teilnehmer noch zu einer Stärkung in die Löwenstrauße ein, was die Wanderung nach Aussagen der Teilnehmer hervorragend abschloss. Vogel-Beobachtungsliste der Wanderung:
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